100.000 illegal beschnittene Frauen in Großbritannien

Eine Undercover-Reportage der britischen Zeitung The Sunday Times hat eine schockierende Praxis ans Licht gebracht. Mit einer versteckten Kamera deckte die Zeitung auf, dass ein Arzt illegale Beschneidungen bei Frauen durchführt. Dem Bericht zufolge sind etwa 100.000 britische Frauen illegal beschnitten.

Journalisten der Sunday Times konnten in einer Undercover-Reportage einen Arzt, einem Zahnarzt und einem Heilpraktiker Interesse vortäuschen. Die drei Männer gaben zu, dass sie bereit seien, illegale Beschneidungen von Frauen durchzuführen oder verwiesen die Journalisten an jemanden, der das tun könnte.

Der Zahnarzt beschrieb den vollständigen Hergang einer Operation zur Beschneidung von Frauen ausführlich vor der versteckten Kamera und erklärte sich zudem bereit, diese Operation an zwei Mädchen im Alter von 10 und 13 Jahren durchzuführen. “Ich mache diese Operation selber, aber niemand braucht das zu wissen”, erklärte er den vermeintlichen Interessenten.

Die Polizei hat inzwischen Erhebungen gegen die drei Männer begonnen. Wenn sie schuldig gesprochen werden, riskieren sie Haftstrafen bis zu 14 Jahren. Die Männer bestreiten jede Schuld.

Bisher 100.000 Opfer unter Frauen

Die Reportage der Sunday Times zeigt auch auf, dass illegale Beschneidungen von Frauen viel weiter verbreitet sind als man denkt. Insgesamt sollen bereits 100.000 Frauen in Großbritannien illegal beschnitten sein. Diese hohe Zahl ist vor allem auf den starken Zustrom von Frauen aus afrikanischen Ländern wie Sudan, Somalia und Äthiopien zurückzuführen.

Einer Hebamme aus Birmingham zufolge hat sich die Zahl von beschnittenen Frauen in Großbritannien seit 2002 verdreifacht. Sie trifft häufig auf Frauen, die besonders stark verstümmelt sind. So sah sie vor kurzem eine Frau, deren Vagina zugenäht wurde und nur eine Öffnung von wenigen Millimetern hatte. Beschnittene Frauen sind nicht nur ein Leben lang verstümmelt, sondern sind auch einem erhöhten Risiko für Infektionen oder lang anhaltende Blutungen ausgesetzt.

Weibliche Beschneidung

Bei der weiblichen Beschneidung handelt es sich um die teilweise oder vollständige Entfernung der Schamlippen und/oder der Klitoris. In einigen Fällen wird zusätzlich noch die Vagina zugenäht, um die Jungfräulichkeit eines Mädchens oder einer jungen Frau zu garantieren. Solche Gebräuche finden sich am häufigsten in afrikanischen Ländern, wo sie aus kulturellen Gründen üblich sind.

Anders als die männliche Beschneidung wird die weibliche Beschneidung als Verstümmelung angesehen, zumal da dabei die Zustimmung des Opfers nicht eingeholt wird. (Eine weibliche Beschneidung erfolgt in der Regel kurz nach der Geburt oder bevor ein Mädchen zwölf Jahren alt ist.)

In vielen Ländern ist die Durchführung einer Beschneidung von Mädchen illegal, darunter Belgien, die Niederlande und Großbritannien.

Quelle: http://www.standaard.be/artikel/detail.aspx?artikelid=DMF20120423_064