Arabische Männer hassen Frauen und Gott ist ihre Entschuldigung

Im Nahen Osten herrscht Empörung über einen Artikel, den die ägyptisch-amerikanische Schriftstellerin Mona Eltahawy in diesem Monat in der Zeitschrift Foreign Policy publizierte: der Titel ‚Warum hassen sie uns?‘ – dazu auf dem Cover eine nackte Frau mit Niqab.’Wir haben keine Freiheit, weil sie uns hassen‘, schreibt Mona Eltahawy. ‚Solange sich die Wut über die Unterdrücker in unseren Präsidentenpalästen nicht verlagert auf die Wut gegen die Unterdrücker auf unseren Straßen und in unseren Häusern, solange hat unsere Revolution noch nicht einmal begonnen.‘

Mona Eltahawy zitiert ergreifende Beispiele, so etwa das eines 12jährigen Mädchens, das im Kindbett sterben musste. Manche Muslime glauben, dass es erlaubt sei, solch junge Mädchen zu heiraten, weil es der Prophet Mohammed ja auch getan habe. Sie schreibt auch über eine Brandkatastrophe in Saudi-Arabien, bei der 15 Mädchen getötet wurden, weil die religiöse Polizei die Feuerwehr davon abhielt, das Feuer zu löschen und sie zu retten, weil sie nicht züchtig genug bekleidet waren.

Die Autorin war selber im vergangenen Jahr in den internationalen Medien in die Schlagzeilen gekommen, als sie während der Revolte in Ägypten verhaftet und von der Polizei misshandelt wurde. Ihr nunmehriger Artikel scheint einen wunden Nerv getroffen haben: er wird massiv auf Facebook zitiert (auffallend oft von Frauen aus der arabischen Welt), und es wird darüber gebloggt und getwittert. Die Diskussion über das heiße Thema wird dadurch noch weiter angeheizt und das ist genau das, was die Autorin möchte: ‚Wir sind mehr als Kopftücher und Jungfraunhäutchen. Gehöre zu denen, die dagegen ankämpfen. Vergößere die Anzahl der Proteststimmen in der Region und kämpfe gezielt gegen den Hass an.‘

‚Unter den hundert Ländern, wo die Kluft zwischen den Geschlechtern am geringsten ist‘, erklärt Mona Eltahawy,’kommen die arabischen Länder überhaupt nicht vor. Die gesamte Region steht am Ende der Tabelle. Reich oder arm, sie alle hassen nur ihre Frauen.‘ Die Ursache dafür ist laut Mona Eltahawy ‚eine giftige Mischung aus Kultur und Religion, gegen die nur wenige aufzubegehren wagen.‘ ‚Das Thema ist immens provokant und wird zudem als blasphemisch angesehen‘.

Von Marokko bis Jemen werden Frauen gezwungen, ihren Körper zu verhüllen, sogar dann, wenn sie als Abgeordnete ihres eigenen Volks im Parlament auftreten. In einigen Ländern treten radikale Geistliche für weibliche Genitalverstümmelung ein. In Saudi-Arabien, so Mona Eltahawy, dürfen Frauen nicht einmal Auto fahren.

‚Trotzdem sind es die Männer, die sich in der Öffentlichkeit ungesittet verhalten. Überall in den islamischen Ländern ist sexuelle Belästigung von Frauen auf der Straße die Regel und nicht die Ausnahme; Frauen müssen sich schon deswegen verhüllen, um sich vor den Männern zu schützen. Die vom jeweiligen Regime ernannten Geistlichen versprechen den Armen lieber mehr Gerechtigkeit im Jenseits, als sich auf eine Konfrontation mit der Diktatur im Diesseits einzulassen.‘

‚Aus eben diesem Grund sind Frauen die Opfer des Hasses ihrer Männer. Die Männer, die behaupten, dass Gott auf ihrer Seite stünde.‘ Unter diesen Umständen kann überhaupt noch keine Rede davon sein, dass der Nahe Osten derzeit eine grundlegende Veränderung durchmacht, so Mona Eltahawy resümierend.

Quelle: http://www.trouw.nl/tr/nl/5091/Religie/article/detail/3246378/2012/04/25/Arabische-mannen-haten-vrouwen-en-God-is-hun-excuus.dhtml