Pakistanische Fatwas: Frauen, die Handys benutzen, können mit Säure angegriffen werden, Mitarbeiterinnen von säkularen NGOs können zwangsweise verheiratet werden

Das Middle East Media Research Institute (MEMRI) berichtet über eine Reihe von beunruhigenden Ereignissen in ganz Pakistan, gegen die bisher weder die pakistanische Regierung noch die internationale Gemeinschaft eingeschritten sind.Nicht genug damit, dass Frauen durch die Gefahr von Ehrenmorden laufend terrorisiert werden: Ein pakistanischer Geistlicher in der Provinz Belutschistan hat jetzt in einer Fatwa sogar erklärt, dass jede Frau, die ein Handy benutzt, „zu Recht“ mit Säure angegriffen werden kann, und der ehemalige pakistanische Abgeordnete und prominente Kleriker Maulana Abdul Haleem gab bekannt, dass Mitarbeiterinnen von säkularen NGOs, die im Bezirk Kohistan in Gebieten wie Schulbildung für Frauen, Gesundheit oder Wohlfahrtswesen tätig sind, „eingefangen“ und zwangsweise an einheimische Männer „verheiratet“ werden können.

Offen blieb dabei, ob es sich dabei um eine „Ehe“ im herkömmlichen Sinn gefangen oder um eine „Ehe auf Zeit“ handeln soll, wobei letztere oft dazu dient, um eine Affäre oder gar Prostitution oder schlimmeres zu kaschieren.

MEMRI zufolge ist Maulana Abdul Haleem jedenfalls kein gewöhnlicher Geistlicher oder Ex-Abgeordneter:“Er ist Mitglied der Partei Jamiat Ulema-e-Islam (JUI-F) und ist namentlich bekannt dafür, dass eine ganze Generation von islamischen Geistlichen in Pakistan seiner Schule entstammt. Im Jahr 2002 wurde er von der Plattform Muttahida Majlis-e-Amal (MMA), einem Zusammenschluss der religiös-politischen Parteien, welcher auf Geheiß des damaligen pakistanischen Militärmachthabers General Pervez Musharraf zustandekam, zum Abgeordneten der Nationalversammlung, dem Unterhaus des Parlaments, gewählt.“

Zu den weiteren besonderen Leistungen des Klerikers gehört laut Meldung einer pakistanischen Tageszeitung auch die Erkenntnis, dass der Anbau von Schlafmohn in Kohistan „in Übereinstimmung mit dem Islam“ sei.

Trotz der offensichtlichen Gefahr, der sie sich offensichtlich aussetzen, wagen es insbesondere zwei Frauen, diese „Glaubensaussagen“ zu bekämpfen, ja sie lächerlich zu machen.

Fouzia Saeed schreibt in einem Artikel: „Wer wird diesen ‚Fatwa-Jungs‘ endlich einmal klarmachen, dass sie einer fast ausgestorbenen Spezies angehören? Wer wird ihnen sagen: Männer, es ist Zeit, dass ihr aufwacht, wir haben das Jahr 2012 … Vielleicht sollten man sie in einem Museum ausstellen mit einer Tafel: ‚Solche Leute gab es hier, die behaupteten, Arbeit für Frauen sei ‚unislamisch‘, aber Zwangsverheiratung sei ‚islamisch‘. Verrückte, die vermeinten, mit dem Handy zu telefonieren sei ‚unislamisch‘, aber einer Frau Säure ins Gesicht zu schütten sei ‚islamisch‘! “

Tazeen Javed, eine weitere wagemutige Publizistin, erklärt: „Wir züchten Millionen von Menschen heran, die sich nicht selbst ernähren können, nur begrenzten Zugang zu Energien haben, und in Zukunft wegen der verkümmerten geistigen und körperlichen Entwicklung unserer Kinder infolge fehlender Schulbildung immer dümmer und schwächer werden. Und gerade in einem solchen Stadium der Geschichte treten dann Leute auf, die solche Fatwas erlassen und damit nichts anderes tun, als Frauenfeindlichkeit und Obskurantismus gegen Hygienemaßnahmen, Ausbildung, Gesundheit und Fortschritt zu fördern.“

Und weiters: „Es kann doch nicht sein, dass ein ehemaliger Abgeordneter während einer Freitagspredigt in einer Fatwa zum Hass gegen Mitarbeiterinnen von NGOs aufruft und darin die verfassungsmäßigen Rechte auf Schulbildung für die Hälfte der Bevölkerung als ‚haram‘ erklärt,  und sich niemand findet, abgesehen von vielleicht ein paar Bloggern und Tweetern, der dagegen aufzutreten wagt.“
Foto: Fouzia Saeed (Wiki Commons)

Quelle:

http://www.theblaze.com/stories/pakistani-clerics-women-with-cell-phones-can-be-attacked-with-acid-secular-ngo-workers-can-be-forcibly-married-to-local-men/