Erschwerende Umstände

Nach etlichen Sensationsprozessen in westlichen Ländern wie in Belgien, Deutschland und Kanada hat sich die Medienaufmerksamkeit wieder einmal der zunehmenden Zahl der Ehrenmorde zugewandt. Niemand weiß genau, wie viele solcher Verbrechen jährlich verübt werden. Die politisch korrekte Lobby hat ja bisher auch immer alle Anstrengungen unternommen, um dieses Problem unter den Teppich zu kehren. In vielen Fällen werden solche Morde als Selbstmorde oder Unfälle verschleiert. Manchmal werden junge Mädchen oder Frauen von Verwandten umgebracht, wenn sie eine Reise in ihr Herkunftsland unternehmen, wo Ehrenmorde an der Tagesordnung sind und nicht verfolgt werden. Ehrenmorde bleiben oft auch deswegen unbemerkt, weil sie als „häusliche Gewalt“ oder „Lustmorde“ klassifiziert werden. Im belgischem Recht gibt es zum Beispiel gar keine Definition für Ehrenmorde. Sultan Balli, ein Psychologe und ehemaliger Vorsitzender des “Kompetenzzentrums für Gender- und Ethnizitätsfragen“ (ELLA) beschrieb dieses schreckliche Phänomen wie folgt: „Nach traditioneller türkischer Auffassung ist ein Ehrenmord eine Familienentscheidung, einen Verwandten deswegen zu töten, weil er oder sie die Familienehre verletzt hat.“ Manchmal werden solche Morde jedoch auch unabhängig von Familienbanden von Einzeltätern begangen. Wenn ein Mann seine Frau oder seine Tochter wegen des Verdachts tötet, diese habe eine unzulässige sexuellen Beziehung gehabt, so kann dies ebenfalls als Ehrenmord bezeichnet werden, auch wenn keine weiteren Verwandten involviert sind. Balli meint, dass es keine Notwendigkeit gibt, Ehrenmorde anders zu behandeln wie gewöhnlichen Mord. Auf der ELLA-Website findet man hingegen auch die folgende beunruhigende Aussage von Balli: „Möglicherweise lassen sich mildernde Umstände geltend machen, wenn die Ehre in einer bestimmten Kultur ein hochrangiges Gut darstellt. Es kommt vor, dass junge Männer von den Mitgliedern ihrer Familie unter Druck gesetzt werden, einen Mord zu begehen. Es ist daher äußerst wichtig, dass auch Anstifter aus der Verwandtschaft zur Rechenschaft gezogen werden.“ Natürlich sollten alle aktiven und passiven Beitragstäter zu einem Ehrenmord ebenfalls bestraft werden und auch jegliche Form der fahrlässigen Unterlassung sollte in solchen Fällen untersucht werden. Was wir allerdings kategorisch ablehnen, ist die Argumentation, dass der kulturelle Hintergrund des Täters als mildernder Umstand herangezogen werden könne. Es kann bei Ehrenmorden keinerlei mildernde Umstände geben. Ein solches Verbrechen ergibt sich stets aus dem Vorsatz, der einen erschwerenden und keinesfalls einen mildernden Umstand darstellt.