Marokko: Selbstmord eines Mädchens, das gezwungen werden sollte, ihren Vergewaltiger zu heiraten

Der Selbstmord eines 16-jährigen Mädchens, das gezwungen werden sollte, den Mann zu heiraten, der sie vergewaltigt hatte, löste in Marokko eine Schockwirkung und die Forderung nach einer Reform bzw nach Aufhebung eines Gesetzes, das Vergewaltigung de facto zu einer simplen Ordnungswidrigkeit macht und letztlich dem Vergewaltiger mehr hilft ist als dem Opfer.

Das Erstaunliche dabei: die Regierung widmete aufgrund der durch dieses Ereignis entfesselten Emotionen ihre letztwöchige Sitzung weitgehend diesem menschlichen und gesellschaftlichen Drama. „Dieses Mädchen wurde zweimal vergewaltigt, das zweite Mal, als man sie verheiraten wollte“, erklärte der Regierungssprecher und Informationsminister Mustapha El Khelfi gegenüber Journalisten.

Amina Al Filali beging am Samstag in ihrer Heimatstadt Larache, in der Nähe von Tanger (Nordmarokko), Selbstmord, indem sie Rattengift einnahm. Man wollte sie dazu zwingen, den Mann, der sie vergewaltigt hatte, als sie 15 war, zu heiraten, da ihr Vergewaltiger durch die Heirat dank einer speziellen Bestimmung des Strafgesetzbuches einer Gefängnisstrafe entgangen wäre.

„Wir müssen diese Situation gründlich studieren und eine Erhöhung des Strafrahmens als Teil einer Reform dieser Strafbestimmung (Artikel 475 des Strafgesetzbuches, Anm.d.Red.) ins Auge fassen. Wir können diese Tragödie nicht einfach ignorieren,“ fügte er hinzu.

Quelle: http://www.dhnet.be/breaking_news.phtml?id=364627&source=afp&status=3